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Hier der sechste Teil meines Zitate-Special zum Halbjahres-Jubiläum dieses Podcasts.

Das heutige Zitat lautet

„Das Gehirn ist ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken.“

Und es stammt von Ambrose Bierce, einem amerikanischen Schriftsteller und Journalisten. Mit diesem Zitat hat er vor mehr als 100 Jahren etwas vorweggenommen, was Verhaltenswissenschaftler und Neurowissenschaftler erst sehr viel nachweisen konnten. Dass nämlich vieles von dem, was wir denken, sehr automatisch abläuft, und dass wir wenig Einfluss darauf haben, auch wenn wir ganz anderer Meinung sind, und glauben unser Gehirn und unser Denken fest im Begriff zu haben.

Daniel Kahneman hat in seinem Bestseller „Schnelles Denken, Langsames Denken“ den Unterschied herausgearbeitet zwischen dem schnellen, instinktiven und emotionalen System 1, dem schnellen Denken, und dem langsameren, Dinge durchdenkenden und logischeren System 2, dem langsamen Denken. Letzteres haben wir im Griff, wenn wir es denn nutzen, ersteres nicht.

Dazu ein Beispiel.

Stellen Sie sich vor Sie lernen einen Menschen kennen, eine Frau, einen Mann, ganz wie Sie mögen. Innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheidet sich, ob dieser Mensch uns sympathisch ist. Das ist das System 1. Unser Gehirn entscheidet auf Grund von Mustern und Erfahrungen aus der Vergangenheit, ohne dass wir etwas dazu tun können. Wenn man uns später fragt, warum wir diesen Menschen sympathisch oder unsympathisch finden, dann können wir das logisch wunderbar erklären. Das ist das System 2. System 2, unser langsames Denken übernimmt dabei aber nur die Funktion eines Regierungssprechers, der erklärt, dass etwas so und nicht anders sein muss. Und wie ein Regierungssprecher, der bei der Entscheidung nicht dabei war und der sie häufig auch gar nicht richtig versteht, erklärt und begründet unser System 2, was System 1 gedacht hat.

Ganz ähnlich ist es, wenn ein Problem auftaucht. Unserem System 1 fällt unmittelbar eine Lösung ein, ohne dass wir uns wehren können. Und dann? Dann kommt der Regierungssprecher und erklärt, warum die Lösung die einzig richtige sein muss und verteidigt sie bis zum bitteren Ende.

Als Problemlöser ist es wichtig das zu wissen, sonst tappen wir allzu leicht in die Falle von System 1 und verteidigen vehement unsere erste Einschätzung. Seien wir uns also bewusst, dass unser Gehirn unser größtes Asset ist. Häufig ist es aber auch

„(Das Gehirn ist) ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken.“

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