Der Biber, der Bär und der Adler

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Biber, Bären und Adler machen ein Projekt
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An einem Gebirgsbach in der kanadischen Wildnis lebt ein Biber. Wie es sich für einen Biber gehört, ist er ein Spezialist im Dammbau. Er baut einen schönen Damm, der das Wasser des Gebirgsbachs aufstaut. So ist der Eingang zu seiner Biberburg unter Wasser, und seine Kinder sind vor den Angriffen des Fuchses geschützt. Eines Tages beginnt der Wasserspiegel im Stausee des Bibers zu sinken.

 
W Wie wir verschiedene Kompetenzfelder zur Lösung von Problemen nutzen.
Welche Kompetenzen braucht es eigentlich für das Lösen von Problemen? Dazu eine kurze Geschichte.

An einem Gebirgsbach in der kanadischen Wildnis lebt ein Biber. Wie es sich für einen Biber gehört, ist er ein Spezialist im Dammbau. Er baut einen schönen Damm, der das Wasser des Gebirgsbachs aufstaut. So ist der Eingang zu seiner Biberburg unter Wasser, und seine Kinder sind vor den Angriffen des Fuchses geschützt. Eines Tages beginnt der Wasserspiegel im Stausee des Bibers zu sinken. Der Grund ist schnell gefunden. Es fließt viel weniger Wasser als gewohnt. Der Wasserspiegel sinkt also. Erst nur wenige Zentimeter, doch stündlich wird das Wasser weniger und weniger.

Der Biber tut, was zu tun ist. Er schafft Baumaterial herbei, wirft sein gesamtes Biber Know-how in die Waagschale. Er macht den Damm stärker und dichtet ihn zusätzlich ab. Der Wasserspiegel stabilisiert sich. Doch schon am nächsten Tag sieht er, dass ein besserer Damm das Problem nicht löst, der Wasserspiegel sink langsam und stetig weiter. Eine Nacht noch, nicht länger, dann kann der Fuchs trockenen Fußes den Eingang des Biberbaus erreichen. Der Biber denkt an seine drei neugeborenen Kinder, nicht mehr als kleine, weiche Fellknäuel, vollkommen wehrlos.

Ein gutes Stück bachaufwärts macht der Bär auf der Suche nach Honig eine spannende Entdeckung. Der Baum mit einem seiner bevorzugten Bienennester ist umgestürzt. Noch schlimmer, der Baum ist in den Bach gefallen, das Bienennest kaputt, hier gibt es nichts mehr zu holen.

Hoch oben zieht der Adler seine Kreise. Rasch ist ihm klar, dass die Not des Bibers und die Sorge des Bären miteinander zu tun haben.

Grundsätzlich mögen sich Adler und Biber nicht besonders. Sie sind doch sehr unterschiedliche Wesen. Während den Biber die ruhelose Flatterhaftigkeit des Adlers stört kann der Adler mit der fleißigen und fokussierten Art des Bibers wenig anfangen. Dennoch gibt der Adler dem Biber einen Rat. „So wirst Du Deinen Stausee und Deine Familie nicht retten können“, sagte er. „Unsinn“, unterbricht ihn der Biber. Der Adler will ihm erklären, wie er seinen Damm zu bauen hat? Was versteht der denn davon? Frechheit! „Verschwinde gefälligst und halte mich nicht von der Arbeit ab.“ Damit ist das Gespräch beendet. Und der Wasserspiegel sinkt weiter.

Der Biber sitzt am Rande seines Stausees. Er ist erschöpft von der harten Arbeit, und er ist verzweifelt. Das Wasser wird weiter sinken, und in der Nacht wird der Fuchs kommen. Der Biber weiß nicht, wie er ihn aufhalten soll.


 
D a kommt der Bär angetrottet. Er ist ein gutmütiger Kerl, der mit allen Tieren gut auskommt und schon so manchen Streit geschlichtet hat.

Er hat auf seinem Weg flussabwärts gute Beute gemacht und trägt noch einen Fisch im Maul, den er nicht mehr braucht. Er ist satt. Er setzt sich zum Biber und hört sich sein Problem an. Angelockt vom Geruch des Fischs lässt sich auch der Adler nieder. Bereitwillig teilt der Bär den Fisch in zwei Hälften und überlässt je eine davon Biber und Adler. Nach kurzer Zeit sind alle drei bester Laune. Während der Biber kaut erzählt der Adler dem Bären von dem Baum, der den Bach abgesperrt und umleitet. Jetzt sieht auch der Bär, was der Baum angerichtet hat. Als der Adler seinerseits kaut, besprechen Biber und Bär, was zu tun ist. Der Weg zum Baumstamm ist weit, zu weit für den Biber, der nicht gut zu Fuß ist. Also nimmt der Bär den Biber auf den Arm und trägt ihn bachaufwärts. Als sie angekommen sind, macht sich der Biber sogleich an die Arbeit. Es ist schwieriger als gedacht. Der Baumstamm ist sehr dick. Aber nach mehreren Stunden hat der Biber den umgefallenen Baum entzwei genagt. Das Wasser fließt wieder im alten Bachbett. Der Wasserstand im Biber-Stausee steigt, die Familie des Bibers ist in Sicherheit. Das Problem des Bibers ist gelöst.

Im beruflichen Alltag haben wir es beinahe täglich mit großen und weniger großen Problemen zu tun, und nur die allerwenigsten haben mit umgestürzten Baumstämmen zu tun. Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings zwischen dem geschilderten Problem und unseren täglichen Problemen im Unternehmen.

Sei es, dass ein Projekt nicht die erwarteten Ergebnisse liefert. Oder das Problem, wegen dem wir das Projekt überhaupt erst gestartet haben. Seien es die Zahlen, die nicht sind, wie sie sein sollten. Oder seien es die Mitarbeiter, die nicht so tun, wie wir das gerne hätten. Oder sonst irgendwas, das einfach nicht passt, das in irgendeiner Form vom Sollzustand abweicht, und von dem wir erst mal nicht wissen, wie wir es lösen sollen.

Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es meist alle drei Kompetenzfelder braucht, um ein Problem lösen zu können. Es braucht Fachkompetenz, um das konkrete Problem fachlich angemessen zu lösen, in unserem Beispiel den Biber. Es braucht soziale Kompetenz, um all jene, die zur Lösung des Problems etwas beitragen können, an einen Tisch zu bringen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten zu lassen, in unserem Beispiel den Bären. Und es braucht Methodenkompetenz, also übergreifende Methoden und Werkzeuge, um die richtigen Fragen zu stellen und das Problem zu strukturieren, in unserem Beispiel den Adler. Wenn alle Kompetenzen am Problemlösungsprozess beteiligt werden, dann kommt man schnell zu guten und wirksamen Lösungen. So der Idealzustand.

Die Realität sieht leider häufig anders aus. Probleme landen zufällig oder auch absichtlich in einer Abteilung, die dann das Problem mit den Mitteln ihrer Fachexpertise zu lösen versucht. Der Lösungszugang ist dann häufig schon durch die Art der Expertise festgelegt. Wie könnte es auch anders sein? Juristen lösen Probleme mit Regeln und Gesetzen. Controller lösen Probleme mit Berichten. Marketer lösen Probleme mit Kampagnen. Und das Ergebnis ist häufig nicht ideal. Nicht weil die Experten nicht gut arbeiten würden, sondern weil der Lösungsweg von vorneherein feststeht und nicht besonders gut zum Problem passt. Durchbrochen wird diese Logik nur, wenn Bären und Adler mit am Tisch sitzen, oder wenn die Mitarbeiter hohe Bären- und Adler-Persönlichkeitsanteile aufweisen. Bären sorgen dafür, dass es Austausch gibt, häufig über Abteilungs- und Bereichsgrenzen hinweg. Adler sorgen dafür, dass unangenehme und gleichzeitig hilfreiche Fragen rechtzeitig gestellt werden. Typische Adler-Sätze lauten etwa „Worin genau besteht eigentlich das Problem?“, „Ist das denn wirklich das Problem?“ oder „Was müssen wir wissen, um das Problem lösen zu können?“.

Dass wir in unseren Unternehmen Fachexpertinnen und -experten brauchen, ist unbestritten. Dass auch soziale Kompetenzen wichtig sind und der abteilungsübergreifende Austausch in der Kaffeeküche häufig viel mehr Nutzen bringt, als dies auf den ersten Blick scheint, diese Erkenntnis setzt sich immer mehr durch. Wo wir akuten Aufholbedarf in den allermeisten Unternehmen haben, ist die Methoden- und Problemlösungskompetenz.

Das ist in Zeiten des beschleunigten Wandels ein echtes Alarmsignal. Wenn wir jetzt und in Zukunft wettbewerbsfähig sein wollen, dann brauchen wir Problemlöserinnen und Problemlöser. Dabei geht es weniger darum ausdrückliche Adler-Persönlichkeiten zu rekrutieren. Vielmehr geht es darum Teams so aufzustellen, dass alle Anteile in ausreichendem Ausmaß vorhanden sind. Wenn dies nicht möglich ist, weil die Mitarbeiter überwiegend Biber- oder Bären-Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, dann sind Trainingsmaßnahmen zur Verstärkung der Adler-Elemente zielführend.

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